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Wandertipp: Moldauquelle - Einwürfe. Ein Blog. - Homepage von Christian Greisinger

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Wandertipp: Moldauquelle

Homepage von Christian Greisinger
Herausgegeben von in Freizeit ·
Tags: WandernMoldauquelleMoldauFinsterau
Los geht die Wanderung am Feilichtmuseum Finsterau. Die ersten 500m legt man auf einer Teerstraße zurück, bevor diese in eine Forststraße durch den Wald mündet. Der Weg führt entlang des Reschbachs, der im 19. Jahrhundert zur Trift genutzt wurde, das heißt, zur "Baumverschickung". Auf den Bergen wurden Bäume gefällt, den Wald haben Kanäle durchzogen, die von Stauwehren mit Wasser versorgt wurden. Die gefällten und entasteten Baumstämme sind somit durch Wasserkraft gen Tal "getriftet" worden, wo sie gesammelt und verladen wurden. Noch heute kann man in den Wäldern teils erhaltene, teils der Natur zurückgegebene Kanäle und Wehre erkennen.
Nach einer halben Stunde Wanderung durch den Wald erreicht man die Alte Klause. Hier kamen früher mehrere Triftkanäle zusammen und die Stämme wurden gesammelt weitergeschickt. Ab hier beginnt ein Pfad durch den Naturpark Bayerischer Wald. Es wird keine Forstwirtschaft betrieben, der Wald sich somit selbst überlassen. Kein Baum muss fürchten, gefällt zu werden. Der Borkenkäfer kann sich in Ruhe seiner Haupttätigkeit widmen, ohne gestört zu werden. Betritt man dieses Gebiet, fällt sofort der Unterschied zu einem Forst auf. Hier ist nichts sauber aufgeräumt, abgestorbene Bäume haben hier genauso eine Existenzberechtigung wie Wildwuchs.
Mit einem Auge immer auf dem Boden geht es über Baumstämme, Wurzeln und Steine in einer halben Stunde immer Richtung Reschbachklause, einem Stauwehr, das heute noch in Betrieb ist. Es sammelt das Wasser der Hochmoore - man sieht es dem Wasser des Reschbaches an, dass es aus einem Moor kommt, der Torfanteil ist nicht zu verheimlichen - und gibt nur eine bestimmte Menge an Wasser für den Ablauf frei. An der Reschbachklause befindet sich auch ein kleine Schutzhütte als Unterstand, sollte man von Regen überrascht werden.
Weiter auf dem Lusenweg geht es bergauf zu tschechischen Grenze. Wo früher Stacheldraht und Zäune in einem breiten Streifen zwei Staaten trennten, erinnern heute nur noch zwei Grenzsteine, der eine mit "D" für Deutschland, der andere trägt ein "C" (Ceska Republika) an die Staatsgrenze, die heute ohne jegliche Kontrolle überschritten werden kann. Ein paar hundert Meter führt der Wanderweg der Grenze entlang, bevor ein Hochplateau die Aussicht über die beiden Naturparks Bayerischer Wald auf deutscher und Sumava auf tschechischer Seite freigibt. In diesem Bereich verläuft auch die europäische Hauptwasserscheide. Das Wasser des Reschbachs fließt Richtung Donau, also in das schwarze Meer, die Moldau mündet in die Elbe, also in die Nordsee.
Von jetzt an geht es wieder bergab. Dass vom Freilichtmuseum zur Grenze gute 400 Höhenmeter überwunden wurden, sei jetzt erst angemerkt, bevor dem geneigten Leser schon vorab der Mut verlässt. Leicht abwärts vorbei an Heidelbeer- Preiselbeer- und Himbeersträuchern, die, sofern man zur richtigen Jahreszeit wandert, zu einem kleinen Zwischenstopp einladen. Schließlich muss der Blutzuckerspiegel überprüft und ggf. aufgebessert werden...
Der Pfad mündet in eine Forststraße, der man weiter bergab folgt - immer in Richtung Pramen Vltavy, der Moldauquelle. Dieser Schotterweg mündet in eine Teerstraße; Hinweisschilder weisen nach rechts zum frischen Quellwasser. Ein knapper Kilometer ist noch zurückzulegen, bevor in einem Waldgebiet an einem Hang ein Unterstand, Informationstafeln und eine geschnitzte Figur auf die Moldauquelle hinweisen. Die Quelle selbst ist durch einen Bohlenweg umgeben, am Auslauf kann man natürlich das klare, kalte Wasser probieren. Es ist silberhaltig und angeblich gut für die männliche Potenz...
Die geschnitzte Holzfigur zeigt eine langhaarige Frau mit einem Schlüsselbund. Sie soll die Moldau darstellen, die "Mutter aller tschechischen Flüsse" genannt wird. Die eigentliche Moldauquelle liegt ca. einen Kilometer entfernt in einem Stollen. Zu besichtigen ist nur die "touristische Moldauquelle". Hierbei handelt es sich um die "warme Moldau" - Tepla Vltava, die kalte Moldau - Studena Vltava - entspringt in der Nähe von Haidmühle, etwas südlicher im Bayerischen Wald. Warum die Moldau auf tschechisch Vltava heißt, ist schnell erklärt: "wildes, reißendes Wasser" hieß im germanischen "Wilth-ahwa". Mit der Zeit wandelte es sich dann in "Wulda", woraus dann "unsere" Moldau wurde.
Steht man an der Quelle und hat die Tondichtung "die Moldau" des tschechischen Komponisten Bedrich (Friedrich) Smetana vor Augen (oder besser vor Ohren), kann man wirklich nachvollziehen, wie er die Quelle der Moldau versucht hat, zu vertonen. Nebenbei bemerkt ist auch der Rest des Werkes wert, gehört zu werden; besonders, wenn man die Stromschnellen, den Fluss durch Prag oder die Mündung in die Elbe kennt.

Der einfache Weg vom Freilichtmuseum ist für durchschnittliche Wanderer in ca. 2 Stunden zu schaffen, der Höhenunterschied bis zur Grenze beträgt ca. 400 Höhenmeter, danach fällt es wieder ca 100m ab. Als krönendne Abschluss kann man beim Rückweg auf tschechischer Seite einen kleinen Schwenk machen, und in  einem Gasthaus einkehren, auf dessen Terrasse man bei gutem Wetter die Gipfel der Nordalpen erblicken kann.

Natürlich gibt es noch andere Routen, die teilweise auch mit dem Bus zurückgelegt werden können.



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